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Messwesen im Dialog: Prüfstellentagung 2026 in Düsseldorf

Zukunft Des Messwesend

Wenn staatlich anerkannte Prüfstellen, Messstellenbetreiber und Eichbeamte aus allen Energiesparten zwei Tage lang zusammenkommen, entsteht ein Bild der Branche, das kein Fachartikel liefert. Genau dafür sind wir Anfang September nach Düsseldorf gefahren. Mitgenommen haben wir weniger Produktwünsche als eine Frage: Wie sehen Prüfprozesse in den nächsten Jahren aus?

Was uns der Fachaustausch mit Prüfstellen und Messstellenbetreibern zeigt

Ein Treffpunkt für alle Energiesparten

Am 7. und 8. September 2026 lud die a:m+i zur siebten spartenübergreifenden Prüfstellentagung nach Düsseldorf. Der Branchenverein bündelt Mitglieder aus dem gesetzlichen Messwesen. Für die ZERA GmbH waren Christian Brenncke und Marcel Schönknecht vor Ort, begleitet von Ralf Schneiderat und Tobias Pfirrmann der inotech Germany GmbH, die seit Juli 2026 zur Gruppe gehört.

Wie viel in dem Wort spartenübergreifend steckt, zeigte sich schnell. Wärme, Wasser und Gas folgen bis heute anderen Prüftraditionen als der Strom, jede Sparte mit eigenen Normen, eigenen Zyklen, eigenen Fachgemeinschaften. Holt ein Format diese Gruppen an einen Tisch, werden Unterschiede sichtbar, die im Tagesgeschäft niemandem auffallen. Was wir vorab angekündigt hatten, steht auf der Seite zur Prüfstellentagung 2026.

Unser Vortrag zur nächsten Generation der Steuerungssoftware

Den fachlichen Kern unseres Beitrags bildete ein Vortrag um 12:00 Uhr, im Programm angekündigt als „Nächste Generation Steuersoftware von ZERA-Prüfanlagen“. Marcel Schönknecht hielt ihn gemeinsam mit Ralf Schneiderat.

Während viele Softwarevorträge Funktionslisten zeigen, ging es hier um die Arbeitsweise einer Prüfstelle. Wie lassen sich Prüfabläufe effizienter, flexibler und zukunftssicher gestalten, ohne dass eine funktionierende Anlage stillgelegt werden muss? Ob ein Haus Elektrizitätszähler oder Wärmezähler bearbeitet, spielte für die Resonanz im Saal kaum eine Rolle. Die Frage ist quer durch die Sparten dieselbe.

Was eine solche Softwaregeneration im Detail leisten muss, haben wir an anderer Stelle ausführlicher beschrieben, etwa in unserem Beitrag zu moderner Prüfsoftware.

Warum die Software zum eigentlichen Engpass wird

Während eine Prüfanlage technisch zwei Jahrzehnte und länger durchhält, kommt die Softwareumgebung darum herum nicht annähernd so weit. Betriebssystemwechsel, neue Schnittstellen zur Abrechnung, wachsende Nachweispflichten: Diese drei Punkte entscheiden heute darüber, wie lange eine mechanisch einwandfreie Anlage wirtschaftlich nutzbar bleibt.

Daraus ergibt sich eine klare Erwartung, die uns in Düsseldorf mehrfach begegnet ist. Eine neue Softwaregeneration muss Bestandsanlagen mitnehmen, statt sie zu ersetzen. Wer vor zwölf Jahren investiert hat, möchte den Prüfplatz weiterbetreiben und trotzdem an aktuelle Datenwege anschließen.

Zwei Häuser, ein Vortrag

Dass zwei Unternehmen der Gruppe gemeinsam auf der Bühne standen, passte zum Charakter der Veranstaltung. Jahrzehntelange Erfahrung mit der Prüfung von Elektrizitätszählern trifft dort auf Kalibriertechnik für weitere Medien. Die Perspektiven ergänzen sich.

Für Prüfstellen, die mehrere Sparten unter einem Dach betreiben, ist genau diese Kombination der praktische Punkt. Sie arbeiten ohnehin medienübergreifend, ihre Werkzeuge tun es bislang selten.

Zera Und Inotech Gruppenfoto

Smart Metering bleibt das bestimmende Thema

Smart Metering zog sich als Schwerpunkt durch die Tagung. Der Grund liegt nahe. Mit dem Rollout verschiebt sich die Last in der Prüfstelle spürbar: Neben die reine Messrichtigkeit tritt die Kommunikationsfähigkeit des Zählers als zweite, gleichrangige Prüfebene.

Weil beide Ebenen unterschiedliche Werkzeuge verlangen, kosten sie auch unterschiedlich viel Zeit. Ein Zähler kann messtechnisch einwandfrei arbeiten und trotzdem im Feld auffallen, weil die Kommunikation nicht sauber läuft. In unserer täglichen Arbeit mit Smart-Meter-Prüfsystemen sehen wir, wie stark dieser zweite Teil den Durchsatz einer Prüfstelle bestimmt.

Digitalisierung des Messwesens endet nicht am Prüfplatz

Obwohl Digitalisierung meist vom Zähler her gedacht wird, lag der wunde Punkt in den Gesprächen am Rand der Vorträge woanders. Er steckt in der Kette dahinter.

Ein Prüfergebnis entsteht digital. Danach wandert es über Zwischenschritte in eine Dokumentation, die so nie entworfen wurde. Der Medienbruch zwischen Prüfplatz und Nachweisführung kostet in vielen Häusern mehr Zeit als die Prüfung selbst. Genau hier setzte die Diskussion an, die wir im Softwareblock geführt haben: Eine durchgehende Datenkette ist kein Komfortthema, sie ist der Hebel für den Durchsatz.

Bemerkenswert war, wie ähnlich die Schilderungen ausfielen, obwohl die Häuser unterschiedlich groß sind. Die Größe einer Prüfstelle ändert offenbar wenig an der Stelle, an der es klemmt.

Regulatorische Entwicklungen und Prüfstellentechnik

Der regulatorische Rahmen bildete den dritten roten Faden der Tagung. Prüfstellen bewegen sich dabei in einem Feld, in dem mehrere Anforderungen gleichzeitig zunehmen:

  • Rückführbarkeit der eingesetzten Normale, lückenlos dokumentiert
  • Nachweispflichten, die in Umfang und Prüftiefe wachsen
  • Investitionszyklen der Anlagen, die deutlich länger laufen als die Regeln, die für sie gelten
  • Sparten-Vielfalt, die in einem Haus zusammenläuft

Für uns ist der erste Punkt kein abstraktes Thema. Unser eigenes Kalibrierlabor trägt die DAkkS-Akkreditierung seit dem Jahr 2000, mit lückenloser Rückführung der Messwerte auf die PTB. Die Einzelheiten zur DAkkS-akkreditierten Kalibrierung haben wir gesondert zusammengefasst. Möchten Sie Ihre Prüfmittel extern kalibrieren lassen, sprechen Sie uns gern an.

Der Wert des Austauschs über Unternehmensgrenzen hinweg

Was solche Tagungen wirklich bringen, lässt sich in einer Agenda kaum abbilden. Vieles, was hängen bleibt, entsteht in den Pausen, im Gespräch mit jemandem, der dasselbe Problem anders gelöst hat.

Über 100 Jahre in der Zählerprüftechnik bedeuten vor allem eines: sehr viele dieser Gespräche, geführt über Generationen von Prüfstellen-Mitarbeitern hinweg. Manche Kontakte aus Düsseldorf reichen Jahrzehnte zurück, andere waren neu. Beides zusammen ergibt das Bild, aus dem wir unsere Entwicklungsprioritäten ableiten. Verlässlicher als jede Marktstudie.

Ein Dank gehört an dieser Stelle Stefan Rottländer, der die Einladung ausgesprochen, die Tagung organisiert und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm auf die Beine gestellt hat.

Woran wir weiterarbeiten

Aus zwei Tagen Düsseldorf nehmen wir vor allem Arbeitsaufträge mit. Die durchgehende Datenkette vom Prüfplatz bis in die Nachweisführung steht dabei ganz oben, ebenso die Frage, wie Bestandsanlagen den Anschluss behalten, ohne dass eine Ersatzinvestition erzwungen wird.

Diese Themen entwickeln sich nicht am Schreibtisch. Falls Sie als Prüfstelle oder Messstellenbetreiber eine Anforderung haben, die in Ihrem Alltag regelmäßig aufläuft, freuen wir uns, wenn Sie sie an uns herantragen. Schreiben Sie uns dazu über den Kontakt zur ZERA GmbH.