Lexikon / Glossar

IEC 62052/62053

Genauigkeit ist in der Energiemessung kein Detail, sondern die Grundlage jeder fairen Abrechnung. Welche Regeln ein Stromzähler erfüllen muss, bevor er in Netz und Markt zugelassen wird, ist international klar geregelt. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Normen ein und zeigt, worauf es bei der Prüfung ankommt.

Die Normenreihe IEC 62052/62053 für Elektrizitätszähler

Was ist die Normenreihe IEC 62052/62053?

IEC 62052 und IEC 62053 sind die internationalen Normenreihen für statische (elektronische) Elektrizitätszähler. IEC 62052 legt die allgemeinen Anforderungen, Prüfungen und Prüfbedingungen für alle Messeinrichtungen fest, während IEC 62053 die besonderen Anforderungen je Zählertyp ergänzt und deren Genauigkeitsklassen für Wirk-, Blind- und Gleichstromenergie definiert.

Der Aufbau folgt einem zweistufigen Prinzip. Die Reihe IEC 62052 beschreibt, was für jeden Zähler gilt, von der mechanischen Ausführung über elektrische Prüfungen bis zur Kennzeichnung. Die Reihe IEC 62053 setzt darauf auf und regelt, welche Anforderungen ein bestimmter Zählertyp zusätzlich erfüllen muss. So entsteht ein klar getrenntes System aus allgemeinem und besonderem Teil, das Hersteller, Labore und Netzbetreiber bei der Zählerprüfung weltweit nutzen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Norm und Recht. Eine bestandene Typprüfung nach IEC 62052 und IEC 62053 belegt, dass ein Zähler die technischen Vorgaben einhält. Sie ersetzt aber nicht die gesetzliche Eichung, die in Deutschland über das Mess- und Eichrecht geregelt ist. Auch die Kalibrierung, also der rückführbare Vergleich mit einem Normal, ist von der Eichung zu trennen.

Die allgemeinen Anforderungen nach IEC 62052

Den Kern des allgemeinen Teils bildet IEC 62052-11. Diese Norm definiert die Anforderungen, Prüfungen und Prüfbedingungen für die Typprüfung von Zählern und gilt sowohl für Wechselstrom als auch für Gleichstrom. Sie deckt Netze bis 1000 V Wechselspannung und bis 1500 V Gleichspannung ab. Eigene Genauigkeitsklassen enthält sie nicht, denn diese sind dem besonderen Teil vorbehalten.

Seit der Ausgabe von 2020 sind die allgemeinen Prüfmethoden in IEC 62052-11 gebündelt. Damit prüfen Labore mechanische, elektrische und funktionale Eigenschaften nach einem einheitlichen Rahmen, unabhängig davon, ob ein Zähler eine eigene Anzeige besitzt oder die Messwerte digital ausgibt. Diese Bündelung reduziert Doppelregelungen und erleichtert den Vergleich von Prüfergebnissen.

Die Sicherheit behandelt ein eigener Teil. IEC 62052-31, in Europa als EN 62052-31 übernommen, legt die Produktsicherheit fest und prüft unter anderem den Schutz gegen elektrischen Schlag sowie die Isolation. Die erste Ausgabe stammt aus dem Jahr 2015, eine überarbeitete zweite Ausgabe folgte 2024.

Die besonderen Anforderungen nach IEC 62053

Der besondere Teil der Reihe gliedert sich nach Zählertyp und Messgröße. Jeder Teil von IEC 62053 beschreibt, welche zusätzlichen Anforderungen ein bestimmter Zähler erfüllen muss und welche Genauigkeitsklassen für ihn gelten. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Teile ihren Inhalten und Klassen zu und zeigt zugleich, wo Wirk-, Blind- und Gleichstromenergie jeweils geregelt sind.

Norm-Teil Inhalt Genauigkeitsklassen
IEC 62052-11 Allgemeine Anforderungen, Prüfungen und Prüfbedingungen (AC und DC) keine
IEC 62052-31 / EN 62052-31 Produktsicherheit (elektrischer Schlag, Isolation) keine
IEC 62053-21 Statische Zähler für Wirkenergie (AC) 0,5, 1, 2
IEC 62053-22 Statische Zähler für Wirkenergie (AC), wandlerbetrieben 0,1S, 0,2S, 0,5S
IEC 62053-23 Statische Zähler für Blindenergie (AC) 2, 3
IEC 62053-31 Impulsausgänge (zurückgezogen, 2020 in IEC 62053-21 integriert) keine
IEC 62053-41 Statische Zähler für Gleichstromenergie (DC) 0,5, 1

Die Bandbreite der geregelten Messgrößen ist dabei groß. Während IEC 62053-21 die gängigen Klassen für die Wirkenergie abdeckt, adressiert IEC 62053-22 die hochgenaue, wandlerbetriebene Messung. Geräte für diese Aufgaben fallen in den Bereich der stationären Zählerprüftechnik AC. Für die Gleichstrommessung ist IEC 62053-41 die maßgebliche Referenz.

Genauigkeitsklassen und die Bedeutung des S

Die Genauigkeitsklasse beschreibt die zulässige Messabweichung eines Zählers unter definierten Bedingungen. Für die Wirkenergie nach IEC 62053-21 gelten die Klassen 0,5, 1 und 2, wobei eine kleinere Zahl eine höhere Genauigkeit bedeutet. Blindenergiezähler nach IEC 62053-23 arbeiten in den Klassen 2 und 3, Gleichstromzähler nach IEC 62053-41 in den Klassen 0,5 und 1.

Eine Sonderrolle spielt das angehängte S, etwa in den Klassen 0,1S, 0,2S und 0,5S nach IEC 62053-22. Das S steht für Special und kennzeichnet wandlerbetriebene Zähler, die zusammen mit Stromwandlern eingesetzt werden. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie die geforderte Genauigkeit bis zu sehr kleinen Strömen von rund 1% des Nennstroms halten, was bei stark schwankenden Lasten entscheidend ist.

Im europäischen Raum kommt die MID-Welt hinzu. Die Reihe EN 50470 nutzt für Wirkenergiezähler die Klassenindizes A, B und C, wobei A die geringste und C die höchste Genauigkeit beschreibt. Diese Indizes werden in der Praxis häufig den IEC-Klassen gegenübergestellt, sind mit ihnen aber nicht amtlich gleichgesetzt. Wer Geräte international einsetzt, sollte deshalb beide Systeme kennen.

IEC 62052/62053 in der Zählerprüfung

Damit ein Zähler eine Klasse nach IEC 62053 erreicht, muss er in der Typprüfung gegen genau definierte Sollwerte gemessen werden. Dafür erzeugen Prüfsysteme reproduzierbare Ströme, Spannungen und Phasenlagen und vergleichen die Anzeige des Prüflings mit einem genauen Bezugswert. Je enger die Klasse, desto kleiner muss die Messunsicherheit der Prüfeinrichtung sein.

Den Bezugswert liefern Referenznormale, deren Genauigkeit über eine rückführbare Kalibrierung abgesichert ist. Für die DC-Seite, etwa an Ladestationen und in der Gleichstrominfrastruktur, ist IEC 62053-41 die maßgebliche Norm, weil die Energie dort direkt im Gleichstromkreis erfasst wird. Geräte für diese Aufgabe finden sich in der stationären Zählerprüftechnik DC und im Umfeld der Prüfsysteme E-Mobilität.

Bei ZERA fließt diese Normenkenntnis seit über 100 Jahren in die Entwicklung von Prüftechnik ein. Unser DAkkS-akkreditiertes Kalibrierlabor sichert die Rückführbarkeit auf die PTB, das Qualitätsmanagement ist nach ISO 9001:2015 zertifiziert, und Entwicklung wie Produktion finden in Deutschland statt. Wer seine Messmittel auf die Anforderungen von IEC 62052 und IEC 62053 ausrichten möchte, findet bei uns die passenden Referenznormale und die nötige Beratung.

Häufig gestellte Fragen zu IEC 62052/62053

Was ist der Unterschied zwischen IEC 62052 und IEC 62053?

IEC 62052 enthält die allgemeinen Anforderungen, die für alle Elektrizitätszähler gelten, einschließlich Prüfbedingungen und Produktsicherheit. IEC 62053 baut darauf auf und legt die besonderen Anforderungen je Zählertyp fest, vor allem die Genauigkeitsklassen für Wirk-, Blind- und Gleichstromenergie.

Welche Genauigkeitsklassen definiert IEC 62053?

IEC 62053 deckt mehrere Klassen ab. Für Wirkenergie gelten 0,5, 1 und 2 sowie die wandlerbetriebenen Klassen 0,1S, 0,2S und 0,5S. Für Blindenergie sind die Klassen 2 und 3 vorgesehen, für Gleichstromenergie die Klassen 0,5 und 1.

Was bedeutet die Klasse 0,2S nach IEC 62053-22?

Die Klasse 0,2S kennzeichnet einen besonders genauen, wandlerbetriebenen Wirkenergiezähler. Das S steht für Special und bedeutet, dass der Zähler seine Genauigkeit auch bei sehr kleinen Strömen von rund 1% des Nennstroms einhält.

Wofür gilt IEC 62053-41?

IEC 62053-41 regelt statische Zähler für Gleichstromenergie in den Klassen 0,5 und 1. Sie ist besonders relevant für die Messung auf der DC-Seite, beispielsweise an Gleichstrom-Ladestationen und in DC-Netzen.

Ist IEC 62053 dasselbe wie die MID?

Nein. IEC 62053 ist eine internationale Produktnorm ohne Rechtscharakter. Die MID ist eine europäische Richtlinie, deren Anforderungen über harmonisierte Normen wie die Reihe EN 50470 belegt werden. Beide Systeme verfolgen ähnliche Ziele, sind aber rechtlich getrennt.